Jakobsweg

monastery-jakobsweg_pixabay_AnnetteGAnna Domenica Lanci • Heilpraktikerin

Mein Jakobsweg nach Santiago de Compostela

Wie kam ich zu dieser Reise?

Der Ursprung liegt in meinem bisherigen gelebten Leben. Seitdem meine Kinder aus dem Haus sind, habe ich mehr Zeit, auf die innere Stimme zu hören, in der es nur um mich geht.

Diese innere Stimme treibt mich dazu, in die Einfachheit zu gehen, mit mir alleine, in meinem eigenen Tempo. Bedacht darauf, meine Sinne, meine Intuition zu schärfen. Ende 2005 war ich schon 1 1/2 Jahre in ein Mobbinggeschehen verwickelt, begleitet von Gesprächen, die zu nichts führten, und das Aushalten von Gefühlen, die mich langfristig krankgemacht hätten.

Es fühlte sich alles nach leeren, kalten Inhalten und nicht nach Leben an. Ich fand für mich keine innerliche, individuell befriedigende Lösung. Es entwickelte sich immer mehr mein Bedürfnis nach dem Urwald in Peru, den ich 2003 durchlebt hatte. Alleine sein, nur auf meine innere Stimme hören, diese wachsen und kräftigen lassen, bis ich so stark bin, dass ich für mich einstehen kann. Finanziell nicht machbar.

Die Alternative war der Weg nach Santiago de Compostela. Vor 25 Jahren wollte ich schon den Weg gehen. Diese Vorstellung gab mir die Kraft, mich auf einen Auflösungsvertrag einzulassen. Ich war nicht bereit, meine Schmerzgrenze in diesem Mobbinggeschehen bis zur chronischen Krankheit auszudehnen. Ich verzichtete auf eine unkündbare Arbeitstelle und eine zusätzliche staatliche Rente. Bis Juni ’06 wurde ich freigestellt.

Am Silvesterabend 2005 buchte ich meine Reise nach Bilbao, von Mitte August bis Mitte September ’06, um in meinem Weg Klarheit und Klärung zu finden.

Bis dato wusste ich nicht, wie ich es finanzieren sollte und schon gar nicht, was mit dem Arbeitsamt wird. Wenn ich geführt werde, dann geschieht es in und mit mir. Wichtig war mir, in einer regenarmen Zeit unterwegs zu sein.

Ich bekam erstmal vom Arbeitsamt keinen Urlaub finanziert, da ich erst 2 Monate arbeitslos war. Meine Therapeutin schrieb mir ein Gutachten und somit bekam ich 3 Wochen bezahlten Urlaub vom Arbeitsamt. 1 1/2 Wochen wurden nicht finanziert und auch nicht krankenversichert.

Damit hatte ich kein Problem, da ich wusste, dass ich keinen Arzt brauchen würde. Ich war einfach nur glücklich.

Den Januar verbrachte ich damit, mir einen Rucksack zu kaufen, der für 4 1/2 Wochen mein Zuhause sein sollte. Ich kaufte mir einen Schrittzahlmesser, der mir übrigens, bei der Ankunft in Bilbao gleich in die Toilette fiel.

Immerhin hatte ich dafür, hier in Hamburg, 3 Monate lang täglich für 3 Stunden, meine Schritte und die Zeit gemessen.

Ich kaufte mir ein teures Diktiergerät mit Kassetten, da ich meine Gedanken und Gefühle aufschreiben wollte, nach dem Motto: „man kann ja nie wissen, ich kann ich es ja für meine Arbeit gebrauchen.“ Da ich mit vollem Rucksack hier in Hamburg trainierte, nahm ich des Öfteren etwas heraus.

Der Rucksack wog nur noch 8 Kg, das schwerste davon war der Schlafsack, da ich sehr wärmebedürftig bin. Das Diktiergerät, die Bücher, das Schreibzeug usw. blieben zu Hause.

Mein Gefühl war:

Was ich an Gedanken, Gefühlen und Erlebtem in mir behalte, ist wichtig, der Rest ist Ballast.

So, mein Zuhause ist jetzt so leicht, dass ich es gut mit mir tragen kann. Ich bekam ein Gefühl davon, wie dieser Rucksack mit dem täglichen Leben in Verbindung zu bringen ist. Es war ein schönes Gefühl. Ich trage nur soviel mit mir, wie ich auch tragen, ertragen kann. Während ich dieses geschrieben hatte, wurden mir die Folgen bewusst: „Ich löse mich immer mehr von der Schwere, auch von schweren Beziehungen.“ Und wenn ich bedenke, ich hatte in Monte de Gozo Angst, der Weg würde in Santiago enden.

Heute spüre ich immer mehr, dass der Weg dort eine weitere Tür geöffnet hat. Ich fühle Vertrauen. Ich bekam so viele Ratschläge! „Du musst dich für die Zeit privat krankenversichern!“, „Das musst du unbedingt mitnehmen!“, „Mit den Sandalen kommst du nicht weit!“, „Täglich 20 km ist nicht zu schaffen!“, „Du willst dich nur von Wasser, Brot und Früchten ernähren. Das stehst du nicht durch!“

Ich hörte mir das alles an. Manchmal wurde ich wütend, innerlich. Kennen Sie diese Menschen, die keine Kinder haben und die besten Erziehungstipps geben? Niemand von meinen Ratgebern hatte selbst diese Reise gemacht. Die Zeit des Wegs kam näher. In den letzten 4 Monaten war ich nicht mehr mit dem Rucksack unterwegs gewesen, weil ich für mich die nötige Sicherheit hatte. Kurz vor dem Abflug bekam ich plötzlich extreme Existenzangst. Zu der Zeit gab es einen Freund in meiner Nähe, der immer wieder sagte: „Lass es los, du kommst als eine andere zurück.“

Ich weiß noch, wie ich innerlich geschmunzelt habe. Ich wusste um die innerlichen Veränderungen, aber an meiner angespannten finanziellen Situation kam ich auch nicht vorbei, dachte ich. Und so flog ich los. Während des Fluges fing ich an zu zweifeln, ob ich mir nicht doch zuviel vorgenommen hatte. Ursprünglich wollte ich von Bilbao mit dem Bus zurück nach Pamplona fahren und von dort den Weg nach Santiago gehen. In Bilbao entschloss mich jedoch spontan, einen kürzeren Weg zu nehmen. Ich nahm den Bus nach Logrono, fuhr dann noch weiter bis Santo Domingo de la Calzada.

Die Landschaft war wundervoll, alles war grün. Ich dachte an Italien, von wo ich komme. Dort ist zu dieser Zeit alles sonnenverbrannt. In meinem Herzen war es weit und warm. Um 21.30 Uhr kam ich in Santo Domingo de la Calzada an. Dort suchte ich mein erstes Pilgerrefugium, Albergue: Casa del Santo, auf. Es war ein riesiges Kloster. Nachdem ich meinen Pass vorgelegt und ein Pater meine Daten eingetragen hatte, händigte er mir meinen Pilgerpass, den „Credencial del Peregrino“, aus und die Muschel.

Ich möge sie mir am Rucksack befestigen, damit ich für jeden als Pilgerin erkennbar sei. Dann führte er mich leise in einem riesigen Saal mit über 100 Schlafmöglichkeiten im Sommer. Zwei Liegen waren noch frei. Ich hatte Glück.

Pilger, die noch später kamen, mussten auf dem Boden, auf Matratzen schlafen. Ich legte meinen Rucksack auf die mir zugedachte Liege und ging geradeaus zum Hinterhof.

Es war noch warm. Ich war noch in meinem Schweiß vom ganzen Tag. Ich begrüßte eine Gruppe junger Männer, die am Tisch saßen und Spaghetti aßen, auf Spanisch. Das Angebot, an der Mahlzeit teilzunehmen lehnte ich dankend ab und gab mich auch nicht als Italienerin erkenntlich. Ich ging ein wenig abseits und rauchte in aller Zufriedenheit, für heute angekommen zu sein, eine Zigarre. Blicke ruhten auf mir.

Ich erinnerte mich, vor 3 Jahren in Peru, wie die Frauen, gerade die alten, zahnlosen, schlank, barfüßig, offen lächelnd entweder eine Zigarre oder Pfeife rauchten. Meine Güte, hatten die ein einladendes, freundliches Wesen. Ich empfand sie als natürlich, erotisch und würdevoll. Wie schön ist es, so alt zu werden! In dieser Einfachheit. Etwas in mir würde gerne so seinem Lebensende entgegen gehen!

Nach der fast kalten Dusche ging ich zu Bett. Lag zwischen ca. 100 Menschen, war froh, dass die Wände so hoch waren und der Raum so riesig. Schnell schlief ich ein. Um 3 Uhr wurde ich wach und wollte mich auf dem Weg machen. Traute mich aber nicht. Hatte Angst, über Stöcke, Rucksäcke, Wäsche, Schuhe und Nahrungsmittel zu stolpern und die anderen Pilger dadurch zu wecken. 2 Stunden blieb ich wach liegen, hielt mein Gebet, hörte auf die unterschiedlichen Geräusche, fragte mich nach all den Gründen für jeden dieser Wege. Fühlte in diesen Ort hinein. Hörte Hunde bellen, Hähne krähen.

Dann stand ich leise auf, meine Blase wäre sonst geplatzt. Packte Schlafsack und den Rest zusammen und machte mich auf den Weg. Ich entschied, von nun an, mein Tempo zu gehen. Es ist doch möglich, mein Tempo zu leben, zu gehen und dabei behutsam auf meine Umgebung zu achten.

Jetzt aber eine erlebte Geschichte aus meinem Jakobsweg mit dem Satz: „Ich lasse mich frei, im Vertrauen“

Ich lasse mich frei in der totalen Kontrolllosigkeit. Ich bin mitten auf meinen Weg. Die Herberge ist überfüllt, klein und eng. Ich lege meine Sachen auf die untere Ebene eines Hochbettes, breite meinen Rucksack aus, mache mich frisch und gehe wieder hinaus. Nach der Stille des Tages, überwiegend mit mir alleine, bekommt mir diese menschliche Unruhe nicht gut. Die Füße, um die ich mich oft kümmere, scheinen heute Ruhe zu geben. Aber es ist schon 18 Uhr. Die ersten kommen schon um 14 Uhr an.

Ich gehe entlang dieses Städtchens, das von einem Flüsschen durchquert wird. Ich genieße das langsame Ankommen. Es dämmert schon, je länger ich gehe, desto mehr Sterne kommen heraus und begrüßen die Nacht. Ich gehe und fühle mich doch getragen. Ich erinnere mich an meine Sehnsucht, manchmal getragen zu werden, und an die meiner Mitmenschen.

Eine warme Vertrautheit steigt in mir hoch.

In diesem Gehen beschließe ich, morgen früh mal wieder um 4 Uhr aufzubrechen. Habe wieder Lust, in der Frühe des Morgens mit dem Sonnenaufgang, mit mir und dem Göttlichen in mir, ein Stück alleine zu gehen. Ich wache auf. Meine innere Uhr ist zuverlässig, wie immer. Nehme mir die Taschenlampe unter dem Kopfkissen, und schaue unter der Bettdecke auf die Uhrzeit. Es ist 3 Uhr und 30 Minuten. So leise wie möglich packe ich meine Sachen zusammen und gehe auf Zehenspitzen auf den Flur. Nachdem ich die Tür geschlossen habe, knipse ich das Licht an.

In der Stille ordne ich jetzt mein Schlafsack, gehe ins Bad, packe mein Rucksack und gehe leise die Treppe hinunter. Es ist ein besinnliches Ritual zu dieser Stunde. Mir ist meine Behutsamkeit den Anderen gegenüber stark bewusst. In solchen Augenblicken wünsche ich mir, sie im Alltag mehr einfließen zu lassen. Da ich nicht frühstücke, habe ich immer ein Stück trockenes Brot vom Vortag und einen Apfel oder eine reife Sonnenblume dabei, die ich essen kann. Die Taschenlampe ist auch bereit.

Ich öffne die Haustür und will mich auf dem Weg machen. Ich traue meinen Augen nicht. Das gegenüberliegende Haus, in 2 m Abstand, kann ich vor dichtem Nebel nicht erkennen. Alles grau-weiß. Ich bin irritiert und verunsichert. Meine Taschenlampe kann ich einpacken, bringt überhaupt nichts. Zurück kann ich nicht – ich würde die anderen Pilger aufwecken.

In der Küche warten kann ich nicht; ich würde müde werden und der Tag wäre gelaufen. Alles in mir ist auf Camino eingestellt. Also taste ich mich mit Unsicherheit, ein wenig Angst, Willen und Vertrauen durch den dichten Nebel.

Die gelben Pfeile, die uns Pilgern den Weg weisen, kann ich heute Morgen vergessen. Wo sie doch, in unbekannter Gegend und so früh am Morgen, auch schwer zu finden sind. Etwas im Rücken schiebt mich vorwärts. Erregung und Gänsehaut begleiten mich. Ich höre mich laut mit mir reden. In diesem dichten Nebel sehe ich ganz grelle Scheinwerfer. Sie beleuchten ein altes Gebäude und einen Friedhof. Fast an jedem Friedhof habe ich Halt gemacht, da ich mir der Kraft der Toten bewusst bin und auch um sie zu ehren.

Ich stehe eine Weile wie angewurzelt. Das ist einfach zu gespenstisch. Wenn ich so eine Kulisse im Fernsehen sehe, schaue ich weg, das ist mir zu unheimlich. Aber hier kann ich nicht anders, irgendetwas, jemand schiebt mich vom Rücken her in den Friedhof hinein. Ich halte inne, spreche mein Gebet, bitte die Toten um Ihre Unterstützung, denn jetzt wo sie nur noch Seele sind, wissen sie es besser als wir. Während ich in der Stille bin, achte ich auf meinen Rücken – das Signal kommt. Es fühlt sich warm und weit an. Sicher.

Und auf einmal geht es steil herunter, und dann stehe ich zwischen zwei Mauern. Es ist so eng, dass ich sie anfassen kann, ohne meine kurzen Arme ganz auszubreiten. Ich höre Wasser unter mir fließen, also stehe ich auf einer Brücke.

Noch ca. 150 m gehe ich weiter, der weiße Nebel ist weg. Jetzt ist es schwarz, dunkel. Ich gehe zurück bis zum weißen Nebel. Angst befällt mich, laut höre ich mich sagen: „Lieber Gott, was bürdest du mir auf?“ Warte ich, bis jemand kommt? Wie lange denn?

Schließlich bewege ich mich, der Dunkelheit zu, durch einen Wald. Auf dem Jakobsweg hört man nicht viele Vögel und andere Tiere, da schon morgens in der Früh die Jäger unterwegs sind. Wer so früh auf dem Weg ist, darf sie erleben.

Vor ein paar Tagen bin ich knapp einer Schrotkugel entwischt. Heute morgen sind keine Jäger unterwegs.

Wie gerne würde ich jetzt Windgeräusche oder Tiere hören, wie 2003 als ich stundenlang durch den Urwald ging. Das Hinhören, Hinschauen, Umdrehen, Suchen, diese Neugierde, ließen mir die Zeit so schnell vergehen. Was habe ich mich beobachtet gefühlt! Jetzt ist es fast totenstill. Zu hören ist mein Herz, meine Atmung, meine schnellen Schritte.

Wie gut, wieder im grau- weißen Nebel zu sein. Weiß-grau fühlt sich nicht so schlimm wie Schwarz an. Also wieder freie Landschaft.

Plötzlich gehe ich an einer roten Signalleuchte vorbei und überquere Bahnschienen. Es zieht mich nach links, wahrscheinlich entlang der Bahnschienen. Und wieder ist es stockdunkel. Diese plötzlichen Ereignisse halten mich auf Trab. Meine Sinne sind in voller Aufmerksamkeit. Vorsichtig gehe ich in der Dunkelheit weiter.

Etwas hält mich zurück. Irgendeine Gefahr, eine Bedrohung ist mir im Weg. Kann nichts sehen. Mein Gefühl ist, dass, wenn ich jetzt weitergehe, ich mir meinen rechten Knöchel verletze. Also gehe ich zurück, zum liebgewonnen Nebel.

Als ich im Freien bin, schaue ich zum Himmel und sage ungeduldig über dieses erneute Hindernis: „Lieber Gott, was soll das? Ich habe Angst. Jetzt ist endgültig meine Grenze erreicht.“

Einen Augenblick halte ich inne und dann: „Wie lange mag ich unterwegs sein? Wann vergeht dieser Nebel?“ Taste mich wieder zur gefühlten Gefahrenstelle durch. Die Gefahr ist spürbar stärker geworden. Es geht einfach nicht. Gehe zurück, bis zu den Bahnschienen. Laut höre ich meine erregte, zitternde, fast weinende Stimme: „Hör doch zu, ich kann das nicht alleine. Ja, ja, ich weiß, du bist bei mir. Was ich jetzt brauche, ist ein Mensch.“ Mit den Füßen stampfe ich auf den Boden und bilde mir ein, dass er mich so vielleicht besser wahrnimmt. Ich sehe keine Alternative.

Weiter kann ich nicht, noch weiter zurück will ich nicht. Wieviel Zeit mag vergangen sein, während ich, so vor mich hindenkend, ein grelles Licht auf mich zukommen sehe. Keine fünf Minuten später sehe ich tatsächlich rechts von mir ein Licht auf mich zukommen.

Ich schaue nach oben, lächle fassungslos.

Auf einmal stehen ein alter und ein junger Mann vor mir. Ich bin von der Taschenlampe, die der junge Mann an seiner Stirn trägt, fasziniert. Wie ein Nebelscheinwerfer. Eine Taschenlampe reichte für beide. Faszinierend. Diese Menschen wissen um diesen Nebel und sind gut gerüstet. Und dann sehe ich, dass sie mich ganz merkwürdig anschauen.

Und ich stelle fest, ich bin alleine hier, als Frau. „Kann ich ein Stück des Weges mit Ihnen gehen?“ Die Antwort war ein leichtes spöttisches Lachen, mit den Sätzen: „Was machst du um diese Uhrzeit hier alleine, bei diesem Nebel und als Frau? Hast du keine Taschenlampe? Hast du keinen Stock?“ Auch ich muss lachen, gut kann ich mich in Ihre Wahrnehmung hineinversetzen. Und so antworte ich:. „Ich gehe den Camino als Pilgerin. Dort vorne spürte ich Gefahr und würde gerne zwischen Ihnen gehen.“

Sie lachten, nahmen mich in Ihre Mitte und ich hakte mich dankbar dem älteren Mann unter. Auf die Frage wie spät es sei, bekam ich die Antwort, dass es 5 Uhr 30 sei. „Warum seid ihr so früh schon unterwegs?“ Ach, sie müssten unbedingt das Flugzeug nehmen, das sie gebucht hatten, sonst wären sie gegen 7 Uhr losgegangen.

Als wir an die Gefahrenstelle kamen, sah ich meine Intuition bestätigt. Warum hatte ich das Geräusch des Baches nicht gehört? Hätte ich das Geräusch des Baches gehört, hätte ich meine Angst nicht so stark gespürt und wäre weitergegangen. Wasser zieht mich magisch an, wie Vollmond und Gewitter. Gut, dass mich das Gespür für die Gefahr so eingenommen hat.

Diese zwei Menschen getroffen zu haben, war an dem Morgen für mich ein Segen; ich konnte mich an ihrer Seite entspannen, konnte meine Intuition ausruhen lassen, konnte sie für mich schauen lassen.

Als der Nebel sich legte, bedankte ich mich und ließ sie in ihrem Tempo ziehen, in Dankbarkeit und frei. Ich nehme wieder, wie so oft auf diesem Weg, meine achtsame, langsame Wanderung auf. Das Tempo, das mich führt. Meine vorherrschenden Sinnesorgane sind meine Augen. Ich drehe und wende mich, habe das Gefühl, schon sehr lange nicht mehr gesehen zu haben.

Frei sein, loszugehen trotz des Nebels und schlechter Ausrüstung, da ich es nicht besser wusste.

Frei und in Vertrauen auf meine Intuitionen meinen Weg zu gehen.

Frei zu sein.

Gefahren, Angst und Grenzen verantwortungsbewusst zu erkennen und deren Bewusstwerdung habe ich aus diesem wunderbaren Tag mitgenommen.

Während ich dieses schreibe, erinnert es mich an die Pilger, die ich auf meinem Weg getroffen habe. Ein wenig bin ich mit manchen zusammengegangen, dann kam mein Satz: „Gehe deinen Weg, mein Rhythmus ist hier ein anderer.“

Oder: „Ich lasse dich und mich frei“.

Ich sehe meine rechte Hand vor mir, wie sie die Bewegung zum „Gehe“ ausübt. Vieles hat mit meinem täglichen Leben zu tun.

Es ist fast ein Jahr her, dass ich diese Reise gemacht habe.

Die Nachwirkungen sind erstaunlich.

Es gibt so viele Blickrichtungen. Welche möchte ich sehen? Mein Inneres war immer bestrebt auf Freilassen, die Idee aber „Wenn ich liebe, wenn mir jemand etwas bedeutet, muss ich festhalten, sonst fühlt sich der andere nicht angenommen.“ „Ich darf Ihn nicht aufgeben, sonst?“

Wie fühle ich mich, wenn ich mich und die Anderen frei lasse?

Ich fühle mich dankbar, weit, strahlend, fließend, warm, habe gut für mich und mein Umfeld gesorgt, im Vertrauen.

Es ist immer noch ein tägliches Üben und ich freue mich über jeden Erfolg und Begegnungen mit Gleichgesinnten. Den Weg zu Don Augustin, in den Urwald von Peru, die Pilgerwege durch Spanien oder die Wanderung in der Einsamkeit mit der Natur, sowie die wichtigen Gespräche mit Gleichgesinnten, es geht mir um die Verbundenheit mit der Einfachheit, um das Ausschöpfen des Göttlichen über meine kreativen und intuitiven Kräfte, und diese nach außen zu bringen.

ENDE

Bild: AnnetteG